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Das erste Mal beim Anwalt


Neben Mandanten mit Anwaltserfahrung (Unternehmen, Kommunen) gibt es  auch viele Personen, die erstmals anwaltliche Hilfe benötigen. Hier bestehen mitunter gewisse Schwellenängste und Unsicherheiten. Diese sind aber grundlos.

 

1. Der Erstkontakt (die Terminvereinbarung)

Üblich ist es, dass für Beratungsgespräche und Kontakte mit dem Anwalt Besprechungstermine in der Kanzlei, Besprechungstermine beim Mandanten oder auch telefonische Beratungstermine vorab vereinbart werden. Durch Besuch der Kanzlei und Vereinbarung mit dem Sekretariat, durch Telefonanrufe oder auch durch E-Mail-Anfrage lässt sich ein solcher Termin abstimmen (und im Verhinderungsfall auch verlegen). Nur eher in seltenen Fällen (ganz dringenden Fällen) ist es möglich, gleich bei Vorsprache auch eine anwaltliche Beratung zu erhalten. Bereits bei der Terminvereinbarung sollten dem Sekretariat die vollständigen Kontaktdaten des Mandanten, der Name des oder der möglichen Gegner sowie der kurze Betreff geschildert werden. Damit kann nämlich noch vor dem Erstkontakt eine erste Kollisionsprüfung durchgeführt werden (und so auch sichergestellt werden, dass nicht der Gegner oder ein anderer Beteiligter bereits vom Anwalt beraten oder vertreten wird). Ferner kann bereits so festgestellt werden, ob die Angelegenheit in das vom Rechtsanwalt betreute Rechtsgebiet fällt.

 

2. Mitzubringende oder vorzubereitende Unterlagen

Um eine richtige Rechtsauskunft zu erteilen oder die richtige anwaltliche Taktik zu empfehlen, muss der Rechtsanwalt den Sachverhalt vollständig kennen. Das ist in der Regel nur möglich, wenn der Mandant dem Rechtsanwalt alle erforderlichen Informationen und Unterlagen zur Verfügung stellt. Zum ersten Beratungstermin sollte deshalb der Mandant alle verfügbaren Unterlagen - möglichst geordnet - mitbringen. Viele Mandanten bringen sogar bereits diese Unterlagen geordnet und kopiert mit. Das beschleunigt die anwaltliche Mandatsbearbeitung. Häufig ist es sogar sinnvoll, zur Vorbereitung des Mandantengespräches vorab Unterlagen dem Anwalt zu übersenden. Dann kann dieser bereits eine erste Sichtung vornehmen und sich bereits auch auf das Erstberatungsgespräch vorbereiten.

 

3. Kosten und Rechtsschutzversicherung

Grundsätzlich ist jede anwaltliche Tätigkeit entgeltlich. Eine „kostenlose Rechtsberatung“ sieht das Gesetz an sich nicht vor. Deshalb muss auch der Rechtsanwalt im Erstberatungsgespräch oder auch bei der Übernahme verschiedener Mandate nicht explizit auf die Entgeltlichkeit hinweisen. Üblicherweise spricht der Rechtsanwalt die Kosten allerdings selbst an, erteilt beispielsweise bei der Ermittlung der anwaltlichen Honorare nach dem Gegenstandswert einen Wertgebührenhinweis oder wirkt bei der außergerichtlichen Beratungstätigkeit auf eine Vergütungsvereinbarung hin. Aber auch der Mandant sollte in jedem Fall die Kostenfrage offensiv ansprechen und sich auch über die entstehenden Kosten der Beratung oder weiteren anwaltlichen Tätigkeit erkundigen. Auf Nachfrage muss nämlich der Rechtsanwalt konkrete und genaue Angaben machen.

 

Rechtsschutzversicherte Mandanten nehmen vielfach vor der anwaltlichen Beratung Kontakt mit ihrer Rechtsschutzversicherung auf, um sich über den bestehenden Versicherungsschutz noch einmal zu vergewissern. Das ist zumindest dann sinnvoll, wenn man auf keinen Fall selbst die Kosten der Erstberatung tragen möchte. In der Praxis ist allerdings eine andere Vorgehensweise üblich: Der Mandant bringt seine Versicherungsscheinnummer mit, schildert dem Rechtsanwalt den Fall und dieser stellt dann eine Deckungsanfrage, in der er bereits den Sachverhalt klar aufbereitet, das rechtliche Problem darstellt und auch die notwendigen Maßnahmen der Rechtsschutzversicherung schildert. Das erleichtert bei der Rechtsschutzversicherung häufig die Beurteilung des Sachverhalts.

Damit der Mandant, insbesondere wenn er Verbraucher ist, nicht schon für das erste Beratungsgespräch Angst vor zu hohen Anwaltskosten haben muss, hat der Gesetzgeber in § 34 Abs. 1 Satz 3 letzter Halbsatz RVG eine Kostenbremse wie folgt eingebaut: „Für ein erstes Beratungsgespräch beträgt die Gebühr jedoch höchstens 190,00 €“. Selbst bei extrem hohen Streitwerten und einer außergewöhnlichen Bedeutung der Sache löst das Erstberatungsgespräch somit noch keine erheblichen Kosten aus. Deshalb muss man zumindest im Hinblick auf die anwaltliche Erstberatung keine Schwellenängste haben.

 

4. Beratungshilfe

Für Mandanten, die nicht rechtsschutzversichert sind und selbst die bei einem ersten Beratungsgespräch (sowie darüber hinaus für das außergerichtliche Tätigwerden) die Kosten nicht selbst aufbringen können, besteht die Möglichkeit der Beratungshilfe. Hierzu hält jedes Amtsgericht eine sogenannte Beratungshilfestelle vor, bei der man persönlich vorsprechen, den Sachverhalt schildern, seinen Beratungsbedarf offenlegen und natürlich auch seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse offenlegen muss. Verhältnismäßig unkompliziert erhält man dann einen Beratungshilfeberechtigungsschein, den man dann zum Rechtsanwalt mitbringt. Mit Ausnahme einer Selbstbeteiligung von 15,00 € trägt dann die Kosten der Beratung und außergerichtlichen Tätigkeit die Staatskasse; der Rechtsanwalt darf auch nur gegenüber der Staatskasse seine Kosten abrechnen.

 

 

Dr. Torsten Schmidt

Rechtsanwalt

Fachanwalt für Verwaltungsrecht

Fachanwalt für Agrarrecht