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Feststellung der Vaterschaft durch heimlichen Vaterschaftstest?

„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“ (Wilhelm Busch). Gerade dann, wenn Kinder außerhalb einer intakten Beziehung entstehen, können bei den potentiellen Vätern schnell Zweifel hinsichtlich ihrer Vaterschaft auftreten. Ist das wirklich mein Kind? Warum sieht es mir überhaupt nicht ähnlich? Da muss ein Vaterschaftstest her! Allein die Eingabe des Wortes auf der Internetsuchplattform „Google“ liefert eine Vielzahl von Angeboten für die private und heimliche Feststellung der Vaterschaft.

 

Ist das Privatgutachten zulässig?

Es klingt so einfach und verlockend: Im Internet einen Vaterschaftstest bestellen, mit dem Wattestäbchen eine Speichelprobe bei sich und heimlich bei dem Kind entnehmen, ab in den Briefumschlag, zurück zu dem entsprechenden Unternehmen, einige Tage warten und schon hat man ein Ergebnis. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Zunächst darf ein Privatgutachten weder heimlich, noch unerlaubt erstellt werden. Ein solches Gutachten würde das Persönlichkeitsrecht des Kindes verletzen und dürfte im Fall der Fälle vor dem Familiengericht auch nicht verwendet werden. Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund des seit 2011 gültigen Gendiagnostikgesetzes die Erstellung eines innoffiziellen Gutachtens als Ordnungswidrigkeit gilt und mit der Erhebung eines Bußgeldes bis zu 5.000,00 € geahndet werden kann. Legal wäre ein Privatgutachten nur dann, wenn auch die Kindesmutter und das betroffene Kind in den Test einwilligen. Eine solche Einwilligung stellt allerdings eher die Ausnahme dar.

 

Das gerichtliche Gutachten

Besteht tatsächlich ein begründeter Verdacht gegen die Vaterschaft, kann diese im Rahmen eines gerichtlichen Vaterschaftsfeststellungsverfahrens überprüft werden. Im Rahmen des Verfahrens wird durch das Familiengericht ein Abstammungsgutachten eingeholt und die Vaterschaft entsprechend überprüft.

 

Ich bin nicht der biologische Vater, was jetzt?

Gemäß § 1600 Abs. 1 BGB sind die Männer zur Anfechtung berechtigt, deren Vaterschaft aufgrund der Ehe mit der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt bestand und solche die die Vaterschaft anerkannt haben.

 

Wer darf noch anfechten?

Zudem darf die Vaterschaft auch durch den biologischen Vater, die Kindesmutter und das betroffene Kind selbst (bei Minderjährigkeit durch einen gesetzlichen Vertreter) unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen angerfochten werden. Zu beachten ist allerdings, dass die Vaterschaft lediglich binnen einer Frist von zwei Jahren angefochten werden kann. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Anfechtungsberechtigte von den gegen eine Vaterschaft sprechenden Umständen erfährt. 


Carolin Voigt

(angestellte Rechtsanwältin)