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Rechtsanwalt Stefan Günther

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Einführung eines Azubi-Mindestlohnes ab 2020

Zum 01.01.2020 ist der neugefasste § 17 des Berufsbildungsgesetzes in Kraft getreten, der erstmalig den Anspruch auf einen Mindestlohn für Auszubildende regelt.

 

1. Hintergrund der Neuregelung


Ziel der Einführung eines Mindestlohnes für Auszubildende ist es, die Attraktivität der Berufsausbildung zu erhöhen und die Abbruchquote zu verringern.

 

2. Wer profitiert von der Neuregelung, wer ist davon ausgeschlossen


Die Regelung gilt nur für Azubis, die nach dem 01.01.2020 eine Ausbildung beginnen, ausgenommen sind demnach alle Azubis, welche sich derzeit bereits in einer Ausbildung befinden.

 

3. Wie steigt der Mindestlohn für Auszubildende


Jeder Azubi, der im Jahr 2020 eine Berufsausbildung beginnt, erhält mindestens 515 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr. Der im ersten Ausbildungsjahr zu zahlende Ausbildungsmindestlohn wird in den folgenden Jahren schrittweise erhöht auf 620 Euro ab 2023. Ferner ist jetzt gesetzlich geregelt, in welcher Höhe der Mindestlohn im zweiten, dritten und vierten Ausbildungsjahr angepasst werden muss. Hier ist der Bezugswert jeweils der Mindestlohn im ersten Ausbildungsjahr. Dieser muss prozentual im zweiten Ausbildungsjahr um 18 %, im dritten Jahr um 35 % und im vierten Jahr um 40 % erhöht werden.

 

4. Ausnahmen und Auswirkungen der Neuregelung


Ausnahmen vom Azubi-Mindestlohn sind möglich, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften für einzelne Branchen eigene Vereinbarungen treffen. Nach einer Mindestlohn-Studie der Bundesagentur für Arbeit haben bis 2015 16,3 % aller Azubis im ersten Lehrjahr weniger als 515 Euro verdient. Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede. Während knapp 9 % der bayerischen Azubis weniger als 515 Euro im Monat verdienen, waren es in Mecklenburg-Vorpommern mit 46 % fast die Hälfte. Ein weiterer Faktor beim Azubi-Lohn ist die Größe des Ausbildungsbetriebs. Bei Kleinstbetrieben mit weniger als 5 Mitarbeitenden erhielt rund jeder dritte Azubi weniger als die angestrebte Mindestausbildungsvergütung. Rechnerisch könnten in Zukunft rund 90.000 junge Menschen vom neuen Azubi-Mindestlohn profitieren. In bestimmten Berufen wie dem Friseurhandwerk und vor allem im Osten bekommen Azubis bisher besonders wenig Geld. Ausbildungsbetriebe müssen sich frühzeitig auf die Änderung einstellen und ihre Ausbildungsverträge entsprechend den gesetzlichen Vorgaben anpassen.

 

 

Stefan Günther

Rechtsanwalt

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